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17. September 2026 · Blog

Mönchspfeffer in den Wechseljahren: Was die Studienlage wirklich zeigt

Mönchspfeffer (Vitex agnus-castus) taucht in vielen Produkten für Frauen "in jeder Lebensphase" auf, von PMS-Kapseln bis zu Kombipräparaten speziell für die Wechseljahre. Die Studienlage ist für diese beiden Anwendungen jedoch sehr unterschiedlich, und selbst die anerkannte Indikation ist innerhalb Europas nicht unumstritten.

Was offiziell anerkannt ist, und was nicht

Das Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC) der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) hat am 27. März 2018 eine EU-Kräutermonographie für Vitex agnus-castus verabschiedet, die den Trockenextrakt als pflanzliches Arzneimittel mit anerkannter Indikation bei leichten Beschwerden des prämenstruellen Syndroms einstuft.

Diese Entscheidung fiel jedoch nicht einstimmig: Von 23 stimmberechtigten Mitgliedern stimmten 18 dafür, während die Vertreterinnen und Vertreter aus Finnland, Irland, Italien, den Niederlanden und dem Vereinigten Königreich formell widersprachen. Ihre Begründung, in allen fünf Fällen fast wortgleich: Die vorgelegten klinischen Studien seien nicht von ausreichender Qualität, um eine wissenschaftlich anerkannte Wirksamkeit im Sinne der EU-Arzneimittelrichtlinie zu belegen. Der niederländische HMPC-Vertreter ging noch weiter und schlug vor, die Indikation nicht als "prämenstruelles Syndrom", sondern vorsichtiger als "leichte Beschwerden im Zusammenhang mit den Tagen vor der Menstruation" zu formulieren.

Das bedeutet nicht, dass Mönchspfeffer wirkungslos ist, sondern dass die Evidenzlage selbst unter Fachleuten als grenzwertig gilt, und dass eine Mehrheitsentscheidung nicht mit wissenschaftlichem Konsens gleichzusetzen ist.

Wie Mönchspfeffer wirken soll

Die Extrakte binden an Dopamin-D2-Rezeptoren in der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) und senken darüber die Ausschüttung des Hormons Prolaktin. Über diesen Mechanismus wird eine Stabilisierung der Gelbkörperphase und der Progesteronproduktion im Zyklus diskutiert, relevant vor allem für Frauen, die noch einen, wenn auch unregelmäßigen, Zyklus haben.

PMS versus Wechseljahresbeschwerden: zwei unterschiedliche Datenlagen

Für die Anwendung bei PMS liegen mehrere systematische Übersichtsarbeiten und Meta-Analysen randomisierter Studien vor, auf deren Basis die HMPC-Monographie überhaupt zustande kam, auch wenn deren Qualität wie oben beschrieben umstritten bleibt.

Für klassische Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen oder ausgeprägte Schlafstörungen sieht die Datenlage deutlich dünner aus. Der Effekt gilt als begrenzt, und es fehlen randomisierte Studien von vergleichbarer Qualität wie bei PMS. Das ist ein wichtiger Unterschied zur Marketingsprache vieler Produkte, die Mönchspfeffer undifferenziert als Mittel "für die Wechseljahre" bewerben, ohne zwischen der prämenstruellen Phase (relevant vor allem in der Perimenopause, solange noch ein Zyklus besteht) und den eigentlichen Wechseljahresbeschwerden zu unterscheiden.

Konkret: Wenn dein Zyklus noch da ist, aber unregelmäßig wird (typisch für die Perimenopause), und du prämenstruelle Beschwerden wie Reizbarkeit, Brustspannen oder Wassereinlagerungen hast, bezieht sich die anerkannte Indikation eher auf diese Beschwerden, nicht auf Hitzewallungen selbst.

Nebenwirkungen und wer vorsichtig sein sollte

Mönchspfeffer wird allgemein als gut verträglich beschrieben, mit gelegentlich berichteten Nebenwirkungen wie Übelkeit, Kopfschmerzen oder Hautreaktionen. Wegen des Wirkmechanismus über Dopamin- und Prolaktin-Regulation wird von der Einnahme bei bestehender Hormontherapie, bei Einnahme der Antibabypille sowie bei bekannten hormonabhängigen Erkrankungen ohne ärztliche Rücksprache abgeraten.

Was das für dich bedeutet

Wenn ein Produkt Mönchspfeffer speziell gegen Hitzewallungen oder andere klassische Wechseljahresbeschwerden bewirbt, geht das über das hinaus, was die anerkannte Indikation und die verfügbaren Studien stützen. Für PMS-artige Beschwerden während der Perimenopause ist die Studienlage solider, wenn auch von einigen europäischen Arzneimittelbehörden ausdrücklich infrage gestellt.

Fazit

Mönchspfeffer ist eines der besser untersuchten pflanzlichen Mittel im Bereich der Frauengesundheit, aber die Zulassung für PMS kam nur mit knapper Mehrheit zustande, und die Übertragung auf klassische Wechseljahresbeschwerden ist wissenschaftlich schwächer belegt, als viele Produktversprechen suggerieren.

Quellen

European Medicines Agency (EMA), Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC): Opinion of the HMPC on a European Union herbal monograph on Vitex agnus-castus L., fructus, EMA/HMPC/195738/2018, 27. März 2018 (ema.europa.eu/en/documents/herbal-opinion/final-opinion-hmpc-community-herbal-monograph-vitex-agnus-castus-l-fructus-revision-1_en.pdf)

Pharmazeutische Zeitung: Phytos als Option bei Frauenleiden (pharmazeutische-zeitung.de/phytos-als-option-bei-frauenleiden-134534)